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Walli Klaas

Alles Mintgrün

Romantisches Reisefieber in orientalischer Ausprägung. Ein Krankheitsbericht


Mumbai

Aus dem Flugzeug führt ein weißer Gang, an dessen Rand stehen Plastikpalmen. Der Mann am Schalter fragt mich etwas und ich gebe ihm alle Boardkarten, Flugbestätigungen und Ausweise, die ich habe. Eine Stunde lang stehe ich am falschen Gepäckband. Vor den zwei Ausgangstüren hängt je ein Schild: „Men“ und „Women and Tourists“.

Der Verkehr ist abenteuerlich. Mein Taxifahrer nutzt den Stau, um mich ungeniert anzustarren. Aus dem Reiseführer weiß ich, dass dies die indische Flirt-Methode ist – und dass Zurückstarren „Ja, ich will“ bedeuten würde. Stattdessen sehe ich aus dem Fenster. Auf den Straßen wird Müll verbrannt. Vor uns steht ein Laster auf der Straße quer. Es riecht nach einer Mischung aus Abgasen, Waschpulver und Chili. Ich bleibe nur einen Tag.

Kochi

Ein Ausflug in die Western Ghats, eine Gebirgsreihe entlang der Westküste. Nicht ganz einfach, eine Fahrtmöglichkeit zu finden: Die Rezeptionistin schickt mich zu den Tuk-tuk-Fahrern, die schicken mich zum Bahnhof, von dort geht es in eine Seitengasse mit wartenden Busfahrern. Diese wiederum rufen ein Taxi, dass mich zu einem anderen Busbahnhof bringt: Diesmal zum richtigen.

Stunden später kurven wir auf Serpentinen immer höher in die Teeberge. Ich sitze vorn und blicke zwischen den Kurven den Abgrund hinunter, der sich an der Straßenseite auftut. In der Stadt habe ich verschiedene Arten der Hupe kennengelernt. Es gibt eine normale Hupe, eine helle, beinahe schrille Hupe, eine sonore Hupe und eine, die wie Vogelgezwitscher klingt. Der Bus hat eine tiefe, unser Fahrer drückt an jeder Kurve lange darauf, betätigt noch die Lichthupe, bevor er das Lenkrad einschlägt, und hupt in kurzen Stößen, wenn sich der Wagen in die Biegung legt.

Schließlich sind wir auf 2000 Metern Höhe angelangt. Es ist kalt hier oben. Als mich die Teefrauen erblicken, zerren sie sich die Weidenkörbe vom Rücken und fahren mir durchs Haar. Begeistert vergleichen sie ihre braune Haut mit meiner weißen, eine kneift mich immer wieder in die Wange und jedes Mal werden sie ungeduldig, bis meine Digitalkamera das gemeinsame Photo anzeigt. Etwa eine halbe Stunde stehe ich in ihrem Pulk, dann schickt sie der männliche Aufpasser zurück an die Arbeit. Im Gehen diskutieren sie immer noch eifrig und lachen viel.

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Copyright © Walli Klaas – Feb 15, 2008

Kochi [Copyright (c) Walli Klaas]
März-Ausgabe