An der Ampel an Max Frisch denken
1.) principium contradictionis (Romantiktheorie I)
Aus dem Gesetz des Widerspruchs, das besagt, dass zwei gegensätzliche Aussagen über eine Sache nicht gleichermaßen wahr sein können, gelte es sich zu befreien. Dieses beinhalte eine Einseitigkeit und Starrheit, die dem Leben und dem Wesen des Menschen an sich fremd sei und sei damit nicht nur grundunromantisch sondern auch grundsätzlich lebensfremd und sogar geistfeindlich, da der Geist, wie Schlegel betont, aus durchgängigen Widersprüchen bestehe.
2.) principium rationis sufficientis (Romantiktheorie II)
Aus dem Gesetz des zureichenden Grundes, das von jedem Urteil eine Begründung verlangt, dass die Zusammenhänge der Welt gleichsam zu einer Kette von miteinander verknüpften Kausalitäten herunter bricht, gelte es sich zu befreien. Durch dieses Gesetz sollten Wahrheiten bewiesen werden, die doch entweder evident und somit unnötig zu beweisen, oder tiefgründig und somit unmöglich zu beweisen seien, so – wiederum – Schlegel. Hieraus folge die Wahrheit zu suchen und nicht sie zu finden. - Menschen, die jetzt bedauern, diesen Satz nicht schon gekannt zu haben, als sie noch im Mathematikunterricht saßen, be(un)ruhigt er im Weiteren, indem er zu bedenken gibt, behaupten sei schwerer denn beweisen.
3.) „Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte“, stand auf einer Postkarte, die ich eines Tages in meinem Jugendzimmer aufhängte.
Nachdem mich mindestens fünf Freunde, die zu Besuch kamen, gefragt hatten, was das denn heißen sollte, habe ich die Postkarte wieder abgenommen.
4.) Trinken. Tanzen. Tollen. Nach Hause gehen, ins Bett legen, die Welt sich drehen lassen; die Welt sich selbst diesen Zustand erreichen lassen, die nur sie selbst (und der Alkohol, und das Tanzen) sich (und ihr) geben kann. In Halbschlaf fallen und Gedanken haben, die die Welt revolutionieren oder die mich zumindest mein Leben, ja das Leben im Gemeinen fassen lassen. Beglückt einschlafen, am nächsten Morgen mit leichtem Kopfweh, ohne jeglichen klugen Gedanken aufwachen. Ernüchtert.
5.) „Du bist der Honig und der Joghurt ist die Welt“, sagte Philipp zu mir, während ganz langsam der Honig von seinem Löffel rann und – geführt von seinen Handbewegungen – Muster in den Joghurt zeichnete; mal dicke Punkte, mal dünne Linien und schließlich langsam versank.
Er schaute ernst und setzte an, etwas zu mir zu sagen, als ich ihm schnell den Löffel aus der Hand nahm und etwas Honig ableckte.
6.) Mandalena ging Lebensmittel einkaufen, Mandalena ging wieder nach Hause durch die Straßen von Düsternbrook (das ist das Viertel, in dem Mandalena wohnt), dabei kam Mandalena an einem offenen Fenster vorbei, hinter diesem sie einen alten, in jedem Fall leicht korpulenten Mann mit nacktem Oberkörper zu Gesicht bekam (was kein schöner Anblick war für Mandalenas Gesicht; vielmehr für ihre Augen, oder für Mandalena in ihrer vollkommenen Gesamtheit, wie sich denken lässt). Auf der linken Schulter des Mannes saß ein schwarzer Kater; er blickte sie an: (war die Realität träumerisch oder träumte sie Realität zu werden?)
7.) Verzückung I
Auf Besuch in Heidelberg bei meiner Schulfreundin. Ausgeh-Abend mit ihren ‚Mädels’. Nach dem wir verschiedene schlechten Lokalitäten aufgesucht hatten, landeten wir in einem Club, in dem tanzbare Musik lief. Ich tanzte, er tanzte. Sagte ich, wir blickten uns tief in die Augen log ich. Wir unterhielten uns stundenlang. Als ich gehen wollte, gab er mir einen Abschiedskuss. Unter dem Vorwand eines Videoabends fanden wir uns schließlich zu viert in einem 1 Meter 40 breiten Bett wieder. Am folgenden Tag sah ich mich von ihm im Studivz gegruschelt. Nun zelebriere ich virtuelle Umarmungen und die Nachrichtenpflege.
Copyright © Elisabeth Krumbeck – Feb 15, 2008







