Sleeper
Nachricht aus der Popromantik
... in some cases the effect of time may be to enhance the initial effects of an event. Thus, some of the effects of the event might be “sleepers” that do not occur immediately but require a lapse of time before the full effect is evidenced.
Carl Iver Hovland
(1) Müsste ich dem Fluss, den ich entlang treibe Adjektive geben, wären es diese: träge, langsam, ruhig, breit, langweilig, aber auch gemütlich, gemütlich wie eine Bettdecke, die nach dem Weichspüler der Kindheit riecht. Ich weiß nicht, wie lange ich da schon treibe, manchmal sind die Flussufer erdiger, manchmal gibt es sandige Klippen, kleine Strände, aber im Großen und Ganzen ist der Fluss nicht breiter geworden, oder schneller, oder interessanter.
(2) Ich werde deine Welt vermissen. Die hatte Verbesserungspotential.
(3) Wenn ich das blonde Mädchen sehe, das ihr Buch an sich presst, während sie es liest, wünschte ich, ich hätte es geschrieben.
(4) Wieder etwas schönes, das in deinem zauberhaften Kopf erblüht.
(5) Ich hatte diesen toten Vogel gefunden. Ich wollte ihn meinem Vater zu Füssen legen. Es ist ja nicht nur dieser einer Vogel. Vater hatte sie mir geschenkt. Ich sollte Verantwortung übernehmen lernen. Mein kleines Texas Chainsaw Massacre. My private little Columbine.
(6) Der Muezzin reisst mich aus dem Schlaf. Es ist fünf oder sechs. Ich verstehe die Worte nicht. Ich kenne die Botschaft der hellen Stimme, die in meinen Schlaf sickert. Allah ist groß, Allah ist mächtig und Mohammed sein Prophet, verschlafen begreife ich das, weiß nur nicht, was ich damit anfangen soll. Ich weiß erst nicht, wo ich bin.
(7) Wir laufen durch die Städte, meistens nachts, und haben keine Ahnung, wir verhandeln unser Leben an WG-Küchentischen, wir lieben die Pathosformel Wir, weil es sonst kein Wir gibt. Du hast schon wieder deine Augen angemalt wie Silbersonnen. Und ich liege nackt in einem Raum voller Flatscreens, die nichts zeigen als grau. Diskretes Leuchten füllt den Raum.
(8) Warum sollte ich rausgehen? Ich mag Regen nicht besonders, und Gewitter habe ich noch nie gemocht.
Copyright © Jan Fischer – Oct 13, 2007







