das handelt von Liebe, auch das hier
Monika Rinck, geboren 1969 in Zweibrücken, studierte Religionswissenschaften, Literatur und Geschichte in Bochum, Berlin und Yale. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Zuletzt erschien der Gedichtband „zum fernbleiben der umarmung“ im kookbooks Verlag. Im Interview spricht sie über ihren poetischen Essay „Ah, das Love-Ding“
Sonntagnachmittag in Berlin-Moabit: Kleinfamilien, Rentnerpärchen, Touristengruppen überall. Das Ausflugs-Wir ist unterwegs – „Das Vollglück in der Idylle, - ein Traum von Draußensein und rêverie, etwas, das leicht ist, weil es nicht notwendig ist.“
Ein Café-Gespräch mit dazwischengehängtem Text.
lit: Was ist dieses „Love-Ding“?
Rinck: Es geht um Liebe als Bedingung von Gemeinschaft, als eine Form der Energie, die Leute zusammenbringt und wieder trennt. Um Dinge zu tun, die man nicht allein machen möchte. Das kann zum Beispiel ein Film sein, den man zusammen mit anderen machen will. Es geht deshalb weniger um die romantische Paarbeziehung, sondern vielmehr um das Leben und Denken in Gruppen. Wie es zum Beispiel ist, wenn man eine ganze Gruppe verliert.
„Auf einem Schutthaufen unter Kakteen sei sie zusammengebrochen, und lächerlich habe sie sich gefühlt, zur gleichen Zeit sei etwas durch die Texturen ihrer Organe gegangen, wie ein Riss […]“.
lit: Wie ist das Buch enstanden?
Rinck: In dem Buch sind viele Texte von vor vier, fünf Jahren. Ich hatte sie in einer Datei gesammelt, bis ich gemerkt habe, dass ich sie neu schreiben muss. Manche Texte sind teilweise 1:1 in das Buch übergegangen. Letztlich habe ich es dann innerhalb eines Monats geschrieben, jeden Tag etwa zehn Seiten. Das war sehr wichtig für den Rhythmus des Buches. Anders geht das gar nicht. Ich glaube Lyrik verträgt größere Pausen.
lit: Wie würdest Du die Bewegung des Textes beschreiben?
Rinck: Der Text beginnt im Theoretischen und geht dann immer stärker ins Narrative. Der Aufbau ist eher thematisch gegliedert, jedes Kapitel ist einem Thema zugeordnet, die Arbeit in Gruppen, das Begehren, das Zombie-Kapitel, der Verlust…
lit: Mich hat das Buch beim Lesen auch an Roland Barthes „Fragmente einer Sprache der Liebe“ erinnert. Welche Vorbilder gab es?
Rinck: Wobei das Buch weniger fragmentarisch ist, als es scheint. Es waren schon eher zusammenhängende Texte, auch die Struktur der einzelnen Kapitel entspricht den alten Texten. Allerdings sind bei der Überarbeitung noch neue Kapitel hinzugekommen. Vom Stil habe ich mich eher an amerikanischen, experimentellen Essays orientiert. Zum Beispiel an „The next american essay“, an Sachen von Ann Carson und Joan Didion. Das hat mir sehr gefallen, weil es dort üblicher ist, Theorie und Erfahrung miteinander zu vermengen. In Amerika ist es legitim, Theoriewissen mit seinen Erfahrungen zu verweben. Es war mir wichtig zu zeigen, dass das Lesen von Theorietexten nach der Uni nicht aufhören muss, sondern einen weiterbegleitet.
„Weißte, wie bei Weber, an der Schwelle der Veralltäglichung des Charismas. Und Veronika sagt: Das muss man sich erstmal reintun, ein Pachtverhältnis zur Ekstase. Die Farben, die Konturen, der leichte Schritt über die Felsen im Gegenlicht – ach, diese Insel, ach, diese Liebe für alle und alles.“
Copyright © Simone Unger – Jul 31, 2007






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