„Über Romantik sprechen? No Problem.“
Star-Interview mit Tom Kummer
Einmal pro Ausgabe werfen wir beherzt Bücher an eine Wand und lassen Tom Kummer in einem fiktiven Interview über das aktuelle Thema sprechen.
Tom Kummer ist 1963 in Bern geboren und war Reporter der legendären Zeitschrift „Tempo“, später arbeitete er als Hollywood-Korrespondent für die Magazine der Süddeutschen Zeitung und des Tages-Anzeigers sowie als freier Journalist etwa für Die Zeit, Der Spiegel, Stern, Vogue. Als im Jahr 2000 herauskam, dass er Interviews mit Prominenten teilweise gefälscht hatte, löste das einen Medienskandal aus. Tom Kummer lebt heute in L.A, arbeitet als Paddle-Tennis Trainer und interviewt Eisbären (Tom Kummer: Kleiner Knut ganz groß. Der berühmteste Eisbär der Welt im Gespräch mit Tom Kummer. Heyne Verlag, München 2007. 96 Seiten, Hardcover. 9,95 Euro).
lit: Herr Kummer wir haben dieses Buch von Isaiah Berlin mitgebracht und werden es nun gegen diese Wand dort werfen …
Kummer: Einverstanden. Alle Interviews sollten so beginnen. Fast alle. Eine verdammt gute Technik jedenfalls. Ich kann sie jedem empfehlen - eine magische Technik. Aber sie ist natürlich nicht neu.
lit: Sie schreiben in ihrem Buch „Blow up“, sie hätten diese Technik speziell für Charles Bronson erfunden.
Kummer: Korrekt. Extra für Charly! Aber ich habe sie später auch auf andere Interviews angewandt. Ich zog wahllos ein Buch aus meinem Bücherregal und warf es gegen die Wand. Es landete per Zufallsprinzip auf einer Seite und darüber, also über den Inhalt dieser Seite, ließ ich Bronson dann sprechen.
lit: Was war das damals für ein Buch?
Kummer: Bei Charly erwischte ich das Buch „Das Innenleben von exotischen Pflanzen“. Ich ließ Bronson also über die beruhigende Wirkung von Brennnesseltee philosophieren und darüber sprechen, warum man ausgerechnet mit einem Frauenschuh besonders intensiv kommunizieren kann. Das Interview wurde in zwanzig Länder verkauft. Die SZ titelte damals: „EIN MANN SIEHT GRÜN – WIESO CHARLES BRONSON AM LIEBSTEN MIT PFLANZEN SPRICHT“.
lit: Unser Buch, das dort eben zu Boden ging, hat den Titel „Die Wurzeln der Romantik“. Wir würden also gerne mit Ihnen…
Kummer: Über Romantik sprechen? No Problem. Die Romantiker, das waren alles gottverdammte Rocker, das waren Punks, Spieler, Träumer. Typen eben so wie wir damals im Berlin der 80er Jahre. Diese ganzen jungen kreativen Menschen, die sich da trafen, diese genialen Dilettanten mit ihrer Ich-Besessenheit, ihrer Exzentrik. Das waren im Prinzip die direkten Nachfahren von diesen Freaks, die nach der blauen Blume suchten wie Junkies nach Stoff.
Copyright © Lisa-Maria Seydlitz und Tessa Müller – Feb 15, 2008






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