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Franziska Walther

Emotional Overdose

Eva Illouz betrachtet die kapitalistische Gesellschaft im Gefühlsrausch


Die beiden Worte „Gefühl“ und „Kapitalismus“ verhalten sich zueinander wie Fleischsalat und Himbeersoße: Der Abstand dazwischen kann nicht groß genug sein. Und welches von beiden auf dem Vormarsch ist, scheint ebenfalls klar: In einer Gesellschaft, in der es zunehmend nur noch um Profit geht, bleibt kein Platz mehr für wahre Emotionen. Sollte man meinen. Dass es so einfach aber nicht ist, glaubt die israelische Soziologin Eva Illouz – und will in ihrem Buch „Gefühle in Zeiten des Kapitalismus“ zeigen, wie hoch das Herz der westlichen Welt tatsächlich noch schlägt.

Der Arbeitgeber als emotionale Intelligenzbestie

„Niemals zuvor ist das private Selbst derart öffentlich inszeniert worden...“ stellt Illouz bereits im ersten Kapitel fest. Anhand von Talkshows, Internetforen zur Partnersuche und an Filmen zeigt sie, inwiefern das emotionale Individuum zu einem einsehbaren Text geworden ist. Diese Entwicklung schreibt die Autoren zu großen Teilen dem Aufkommen der Psychoanalyse zu: Aus dem Rückzug des Selbst in die Privatsphäre und aus der (Über-) Sättigung des Privaten mit Emotionen entstand im 20. Jahrhundert ein großes Interesse an der Befindlichkeit des einzelnen Arbeiters. Schließlich stellte sich durch Untersuchungen und Befragungen heraus, dass eine angenehme Betriebsatmosphäre die Produktivität steigert, und in der Folge verschmolzen Ökonomie und Gefühlswelt. Von emotionaler Kälte im Kapitalismus kann also keine Rede sein: „...ein guter Manager zu sein hieß zunehmend, die Eigenschaften eines guten Psychologen anzunehmen.“

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Copyright © Franziska Walther – Nov 11, 2007

Die kapitalistische Gesellschaft im Gefühlsrausch [Copyright (c) 2007 Suhrkamp-Verlag]
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