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Aufgehobenheit in Sprache
Über romantische Tendenzen in Monika Rincks poetischem Essay „Ah, Das Love-Ding!“.
Mit manchen Büchern ist es wie mit Menschen: Sie sprechen. Menschen können das Gespräch beenden, Bücher führen es fort, nehmen Geschichte auf und übersetzen sie ins Imaginäre, in Narration. Monika Rincks Buch „Ah, Das Love-Ding!“ ist so ein unendliches Gespräch, eine Aufgehobenheit in Sprache.
Das Ding mit den Gruppen
Dieses Love-Ding ist das Reißverschlußsystem der Gefühle, das sich zwischen Ich und dem Anderen so oft verhakt, an dem Liebe als eine Form sozialer Energie hervortritt, die Menschen, Dinge, Text zusammenhält. Es geht um die Kräfte, die als eine Art Übertragungsenergie von einem System zum anderen fließen, von einem Mensch zum nächsten, von einem Satz zum folgenden: „Wer hält mich denn im Plural – wer hält uns? Wir. Wir nehmen das auf uns. Da fragt Veronika: Was soll das denn sein, Grammatik?“ Dieses „Wir“ ist, wie Rinck Michael Serres zitiert, „etwas Neues, das […] durch Konzessionen, Verzicht, Resignation des Ich entsteht.“ In diesem Sinn handelt das Buch von den vielschichtigen Projektionsräumen zwischen Individuum und Sozialgefüge, und wie es denn gehen soll, das Denken über etwas, das sich selbst enthält.
Das Ding mit dem Text
In dieser Rückbeugung erinnert Monika Rincks Essay an die romantische Idee, Wahrheit als unendlichen Reflexionsprozess zu beschreiben. Narration, Zitate und Anmerkungen vermischen sich zu etwas assoziativ Gewachsenem aus Poesie und Theorie, das an das romantischen Versprechen nach Höherem klingt, denn in diesem enigmatischen Gemenge entzieht sich der Text jeder Zugriffslogik der Welt. So verwandelt er sich in einen Denkraum aus Zitaten, Kommentaren und aufgeklaubten Satzfetzen. Und wie auch schon den Frühromantikern die Ironie als wichtigste Torhüterin für die offene Selbstbespiegelung galt, entsteht ein Gespräch mit Ironiefunktion: „Ihr begleitet mich doch bittschön in die Projektionskabine? Nein, das hier ist der Schalter, der hier betätigt den Ton und der hier die Lüftung. Das muss alles gespiegelt werden. Erst gespiegelt, dann fragmentiert und dann neu zusammengefügt. Und nun schau sie dir bitte ganz genau an, die prismischen Trapeze deiner Welt.“
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Copyright © Simone Unger – Jul 31, 2007






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