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Oliver Pronitschew

Mit etwas Glück klappt auch die Arbeitslosigkeit

Joseph von Eichendorffs Bericht „Aus dem Leben eines Taugenichts“ taugt auch heute noch zum ansteckend-sorglosen Lebensentwurf


In Deutschland verbinden sich mit Erwerbslosen schon immer bestimmte Bilder. Ob Gammler in den 1950er Jahren oder Stammplatzhocker in der Eckkneipe heutzutage. Eine Gruppe trifft es immer. Mit seinem „Taugenichts“ erschuf Joseph von Eichendorff eine Art Schutzpatron aller gesellschaftlich unnützen Menschen.

Die Handlung der Novelle ist ebenso verwirrend wie unterhaltend: Alles dreht sich um einen Anti-Helden, der für die Gesellschaft keinen ersichtlichen Nutzen hat. Prägnanteste Attribute des Protagonisten sind Unzuverlässigkeit, Faulheit, Rastlosigkeit, Verträumtheit und Naivität. Bewaffnet mit diesen Eigenschaften stolpert der „Taugenichts“ durch die Handlung des Buches. Auf der Suche nach Liebe und Glück treibt es den Protagonisten an den Hof von Wien bis nach Rom und zurück. Während seiner Reise flüchtet er vor wütenden Gärtnern, begegnet mysteriösen Malern, wird auf einem Schloss gefangen gehalten, streitet mit Papageien, schläft bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein und deutet so ziemlich alles falsch, was man falsch deuten kann. Das Ende der Geschichte deckt auf, was hinter dem rätselhaften Treiben steckt. Zugleich gestaltet es die Handlung noch komplizierter, als sie ohnehin schon ist.

Eichendorff erzeugt Sympathie für den sozialen Außeneiter. Am Ende bleibt die lockere Lebensart des Taugenichts ungesühnt und wird sogar mit einem guten Ausgang belohnt. Zudem verfügt der Taugenichts über ein virtuoses musikalisches Talent. Das färbt auf den Autor der Novelle ab: Die Gedichte, die in die Novelle integriert sind, wurden nach der Veröffentlichung zum Teil vertont und entwickelten sich mit der Zeit zu altbekannten Volksliedern wie z.B. das von Joseph Mendelssohn-Bartholdy überarbeitete „Der frohe Wandersmann“.

Im Taugenichts sah der Nationalismus des 19. Jahrhunderts seltsamerweise eine „Verkörperung des deutschen Gemüts“, wie es Theodor Fontane ausgedrückt hat. Vor allem die Wanderlust und Heimatverbundenheit galten als typisch deutsch. Das Lob der gesellschaftlichen Nutzlosigkeit hat man dabei wenig beachtet. Heute sieht das anders aus. Denn Eichendorffs Taugenichts ist der „Forrest Gump“ der Romantik. In beiden Fällen, im Roman wie im Film, dreht sich die Geschichte um einen tollpatschigen Charakter, der weniger durch gezieltes Handeln als durch zufällige Begebenheiten durchs Leben kommt. Man könnte zu dem Gedanke verführt werden, sich eher vom Schicksal tragen zu lassen als vom gutstrukturierten Arbeitsalltag. Vielleicht ergeht es einem dabei wie dem Taugenichts und mit ein wenig Glück landet man mit einer schönen Frau in einem gemütlichen Leben. Andererseits besteht auch ein gewisses Risiko, dass man nicht im wahrgewordenen Traum landet, sondern bei der Berufsberatung im Arbeitsamt.

Joseph Freiherr von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. Dtv, München 1997. 160 Seiten, Paperback. 4,50 Euro.


Copyright © Oliver Pronitschew – Mar 15, 2008

Joseph Freiherr von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. [Copyright Deutscher Taschenbuchverlag]
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