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Alexander Pickert

Kleine Nachhilfe in der Liebe

Mit der Liebeslyrik von Elke Schmitter beim Singletreff


Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt und ich habe ein Problem. Ich bin Single. Das liegt daran, dass ich bei einer Verabredung nie den erforderlichen romantischen Tonfall treffe. Neulich gab mir der Besitzer vom Kiosk, an dem ich immer meine Brötchen kaufe, den Tipp, ich solle doch mal versuchen, Passagen aus Liebesgedichten zu zitieren. Gesagt, getan. Ich kaufte mir also ein Buch, auf dem kaum übersehbar ein rotes Schild mit dem Schriftzug "Liebesgedichte" aufgeklebt war. “Kein Spaniel“ heißt es, von Elke Schmitter.

Zuhause dann, beim ersten Nachdenken, machte der Titel mich stutzig. Was soll denn bitte kein Hund mit Liebesgedichten zu tun haben? Und wie soll er mir helfen, die richtigen Worte zu treffen? Nach kurzem Lesen von Zeilen wie „du Marder meines Herzens/... hast deine Zähne eingeschlagen“ wurde mir klar, dies sind keine Floskeln die mich zum Erfolg bringen könnten. So fuhr ich zurück zu der Buchhandlung, um diesen offensichtlichen Betrug dem Verkäufer zu melden und mein Geld zurück zu fordern.

Nachdem ich also wild gestikulierend mein Unbehagen zum Ausdruck gebracht hatte, erklärte mir der Verkäufer seelenruhig, dass dies schon eine Sammlung von Liebesgedichte sei. Er sagte weiter, dass es in der modernen Poesie nicht darum ginge, schwülstige Liebesversprechen in ein Reimschema zu zwingen. Die zeitgenössische Poesie sei viel mehr ein Versuch, die Spannungsverhältnisse, die bei der Liebe entstehen, zu beschreiben. So waren seiner Meinung nach Zeilen wie „deine Stimme/ und mir keimen Luftgewächse/ taub und unaufhörlich/ in herzhöhen eiternd“ ein Beweis dafür, dass die Autorin und ehemalige Chefredakteurin der taz ein geniales Gespür für die unaussprechlichen Prozesse einer scheiternden Liebe habe. „In diesen Tagen ist mein Glück gemacht/ aus trotzigen kleinen Konjunktiven/ und nichts ist reiner, kein Leben bekömmlicher/ als dieses im freundlichen Wahn“ zeige mit fast unantastbarer Kraft, was übrig bleibt, wenn man das hypothetische „wenn“ aus der Liebe entfernt.

Ich muss gestehen, dass ich fast nichts von dem, was er bisher sagte, verstanden habe. Trotzdem fragte ich den Buchhändler, ob es wirklich so genial sei, auf diese fast abstoßende Art eine so angenehme Sache zu beschreiben. Er antwortete, dass ja auch nicht jedes Bild von Picasso schön sei und dennoch ein Zeugnis wahrer Kunstfertigkeit.

Der Verkäufer hat nicht Unrecht mit dem, was er sagt. Aber irgendwie muss man diese traurige Art von Gedichten mögen, will man ihnen etwas abgewinnen. Ich kann das nicht. Ach ja, morgen gehe ich zum Speeddating, da trifft man 20 Frauen in acht Minuten, mal sehen, ob ich da mehr Erfolg habe.

Elke Schmitter: Kein Spaniel. Gedichte. Berlin-Verlag, Berlin 2005. 54 Seiten, 16 Euro.


Copyright © Alexander Pickert – Jan 1, 2008

Elke Schmitter: Kein Spaniel. Gedichte. [Copyright (c) Berlin-Verlag]
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