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Isabel Nowack

Meine Damen, verstecken Sie sich nicht!

Katja Behrens macht in ihrem neuesten Buch bewusst, welchen Einfluss die revolutionären Frauen des 19. Jahrhunderts noch heute auf uns haben


Biografien sind in den letzten Jahren zum Trend geworden. Kaum ein Politiker, Popstar oder Schauspieler, der nicht der Auffassung ist, er müsste der Welt seine ach so harte Lebensgeschichte mitteilen. Wen interessiert das schon? Und nun schreibt Katja Behrens auch noch ein Buch, in dem sie gleich die Lebensgeschichten von sechs Frauen erzählt, die zudem alle schon seit bald 200 Jahren tot sind.

Mit viel Charme und Einfühlungsvermögen berichtet Katja Behrens in „Alles aus Liebe, sonst geht die Welt unter“ von Frauen aus der Zeit der Romantik. Einige Nachnamen sind bekannt: Brentano, von Arnim, Schlegel, Schelling. Doch sind es die Namen Clemens, Achim, Friedrich und August Wilhelm, die man mit ihnen in Verbindung bringt. Dabei waren auch ihre Ehefrauen in dieser Zeit sehr geachtet und spielten tragende Rollen in der Gesellschaft. In einer Zeit, in der strenge Moralvorstellungen herrschten und in der die Frau eine gute Gattin und Mutter zu sein hatte, wollten sie sich nicht weiter hinter ihren Männern verstecken. Sie gründeten Salons, in denen man sich vorlas und über Literatur diskutierte, und sie schrieben Briefe. Der Brief war für sie das wichtigste Mittel um Kontakte zu halten, ihre Gefühle und Ideen in literarischer Form auszudrücken.

Rahel Varnhagen, deren Leben sehr ausführlich beschrieben wird, hat über 10.000 Briefe geschrieben. Sie hat zudem den ersten Berliner Salon gegründet, in dem Persönlichkeiten wie die Brüder Humboldt, Jean Paul und Clemens Brentano verkehrten. Die gebürtige Jüdin war eine selbständig denkende Frau, die sich der typischen Frauenrolle nicht unterwerfen wollte: „Kann ein Frauenzimmer dafür, wenn es auch ein Mensch ist?“ Nein, nein, kann es nicht, will man am liebsten laut rufen! Ähnlich sah es Bettina von Arnim, die zu ihrer Zeit als stürmisch und leidenschaftlich galt, ja von ihrer Tante gar als unsittlich bezeichnet wurde. Eine Frau, die sich zeitlebens an die Liebe klammerte, die sich durchaus mit der Wirklichkeit arrangierte, ohne sich ihr zu beugen. Anders als ihre beste Freundin Karoline von Günderrode. Sie gilt als die tragischste Frau der Romantik. Über sich selbst schreibt sie in einem Brief an Gunda Brentano: „ich hatte schon oft den unweiblichen Wunsch, mich in ein wildes Schlachtgetümmel zu werfen, zu sterben.[…] Ich habe keinen Sinn für weibliche Tugenden, für Weiberglückseligkeit.“ Gerade sie ersticht sich schließlich selbst aus Liebeskummer mit einem Dolch. Katja Behrens bringt uns die Figur ganz nahe.

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Copyright © Isabel Nowack – Mar 15, 2008

Katja Behrens: Alles aus Liebe, sonst geht die Welt unter. [Copyright (c) Verlagsgruppe Beltz]
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