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Tessa Müller

Wildes Gehölz

Isaiah Berlin sucht nach den Wurzeln der Romantik.


Was war passiert? Plötzlich, im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts in einem durch Vernunft und Wissenschaft geprägten Klima, tauchte sie auf - die wüste Idee von einer Welt, die weder zu fassen noch zu erklären sei, die wildträumende Bewunderung für das gottgleiche Genie und die glühende Begeisterung für die Fähigkeit, sich ganz einem Ideal hinzugeben. Auf einmal gab es Menschen, die von der Freiheit des Willens sprachen, sich die Haare blau färbten und die braven Bürger auslachten.

Gewucher europäischer Geistesgeschichte

Isaiah Berlin spricht von einer „romantischen Revolution“ und nennt sie „die umfassendste aller Bewegungen […], die in der jüngeren Vergangenheit Lebensweise und Denken der westlichen Welt umgestaltet haben“. Den Ursprung für diesen nachhaltigen Angriff auf den Rationalismus versucht Berlin in dem Buch „Die Wurzeln der Romantik“ zu ergründen. Wobei es den Ursprung natürlich nicht gibt. Deshalb spricht er auch von „den“ Wurzeln der Romantik, obwohl auch das beinahe untertrieben scheint. Was der Geschichtsphilosoph zutage fördert, sind keine Wurzeln, es ist ein Wurzelgeflecht, ein Gewucher europäischer Geistesgeschichte.

Nebenwurzeln und Verästelungen

Es waren die großen Dichter und Denker der Zeit, die den Nährboden für die ungestüme Rebellion der Romantiker bereitet haben. Berlin begnügt sich jedoch nicht mit den altbekannten Ziehvätern der Romantik wie Schlegel oder Fichte. Berlin gräbt tiefer, sucht nach Nebenwurzeln und Verästelungen und legt dabei Erstaunliches frei.

So wird Kant, der die Romantik durch und durch verabscheute, laut Berlin selbst zum unfreiwilligen Begründer der romantischen Weltanschauung. Schließlich läuft gerade seine Lehre darauf hinaus, dass es der freie Wille ist, ja, die Fähigkeit zu wählen, die den Menschen zum Menschen macht. Diese Haltung nimmt schließlich Schiller in seinen Dramen auf, und auch Fichtes Erkenntnistheorie führt darauf zurück.

Doch natürlich ist damit noch nichts erklärt. Da wäre noch Johann Georg Hamann, dem Berlin eine ganz besondere Rolle einräumt. Für Berlin ist Hamann der Erste, der ganz offen der Aufklärung zu Leibe rückt und damit die „Revolte der antiwissenschaftlichen Sehnsüchte und Begierden“ entfacht. Hume, Herder, Rousseau und natürlich Schlegel und noch ein dutzend andere Namen ließen sich aufzählen, wollte man eine Liste derjenigen anlegen, mit denen man sich laut Berlin auseinandersetzen muss, um die Kontexte zu verstehen, in denen die Welt sukzessive romantisiert wird.

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Copyright © Tessa Müller – Jul 31, 2007

Isaiah Berlin: Die Wurzeln der Romantik. [Copyright (c) 2007 Berlin Verlag]
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