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Mounia Meiborg

Überlasst die Romantik den Dichtern

Rüdiger Safranski untersucht die deutsche Romantik und ihre Folgen


Ein Buchrezensent hat grundsätzlich zwei Lieblingsvorwürfe an den Gegenstand seiner Rezension: „Das Buch will zu viel.“ oder „Das Buch will zu wenig.“Dass diese beiden Vorwürfe sich keineswegs ausschließen, war in diesem Winter an Rüdiger Safranskis „Romantik – Eine deutsche Affäre“ zu beobachten.
Die Erwartungen waren hoch, schließlich hat sich Safranski in den letzten Jahren mit Werken zu E.T.A. Hoffmann, Nietzsche, Heidegger und zuletzt Schiller den Ruf erschrieben, der Erklärer deutscher Philosophie- und Literaturgeschichte zu sein.

Nun hat er sich eine ganze Epoche und zugleich ein Phänomen deutscher Geistesgeschichte vorgenommen. Im ersten Teil des Buches beschreibt Safranski „die Romantik“ als historische Epoche von etwa 1790 bis 1830. Im zweiten Teil erklärt er „das Romantische“ als eine Geisteshaltung, die von Nietzsche und Wagner über die Nationalsozialisten bis hin zu den 68ern nachhallt.

Zu viel und zu wenig – zugleich.

Das ist viel Stoff für knapp vierhundert Seiten; das fand auch ein erster Rezensent und bezeichnete Safranski darum als bloßen „Kompendienschreiber“ - das Buch will zu viel. Zugleich kritisiert er die thematische Eingrenzung und beklagt, dass die europäische Dimension zu kurz komme – das Buch will zu wenig. Dabei ist es genau das- nicht mehr und nicht weniger- was Safranski im Großen und Ganzen will: Die Epoche der Romantik als Teil einer weit größeren, explizit deutschen Mentalitätsgeschichte zu betrachten.

Streifzugartig und weniger chronologisch als thematisch verknüpft erzählt Safranski von dem frühen Jenaer Kreis um die Brüder Schlegel, Tieck und Hölderlin, vom todessehnsüchtigen Novalis, und von der Heidelberger Romantik um Brentano, Bettina von Arnim und Eichendorff. Als Material für seine Erklärungen dienen ihm die signifikanten poetischen Werke und theoretischen Abhandlungen, aber auch die Lebensgeschichten und Eigenheiten ihrer Autoren. Seine thematischen Exkurse führen ihn hin ins Mittelalter, in die Antike, zu Max Weber und Peter Handke und mühelos wieder zurück. Auf kleinstem Raum skizziert er klare politische Stimmungsbilder, psychologische Motivverflechtungen und findet einfache und zugleich treffende Formeln für komplexe philosophische Zusammenhänge.

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Copyright © Mounia Meiborg – Feb 15, 2008

Rüdiger Safranski: „Romantik“ [Copyright (c) Hanser Verlag]
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