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Laura Lichtblau

Der Mond und das Mädchen

Martin Mosebach beschwört zwischen Tankstelle und Waschsalon ein Stück Großstadtromantik


Hans hat einen neuen Job und eine neue Frau und sucht darum auch eine neue Wohnung in einer neuen Stadt: Frankfurt am Main. Alles soll neuer, besser, schöner werden – ganz wie das Versprechen, das in einer neuen Ehe zwischen Zweien, die sich lieben, zu schlummern scheint. Doch für Hans weicht die Anfangsromantik schnell der profanen Realität: Der Großteil der besichtigten Wohnungen ist zu teuer.

Er tröstet sich mit der Erkenntnis, es sei doch eigentlich „gleichgültig, wo man wohnt“, und entschließt sich für ein von verkehrsreichen Straßen und Dönerbuden umgebenes Haus in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sorgen macht ihm nur, dass seine Frau Ina, die noch mit ihrer Mutter auf Reisen ist, mit seiner Wahl nicht einverstanden sein wird. Ina war immer behütet von ihrer dominanten Mutter, der sowohl die eigene als auch die Stellung der Tochter in der Highsociety über alles gehen: „aufgewachsen in einem Reservat abschirmender Bürgerlichkeit wie ein exquisites Frischgemüse, das nur mit Wärme und Tau, nicht aber mit Frost und rauen Winden in Berührung kommen darf“. Wird eine solche Frau die Romantik des wilden Neuanfangs mitmachen können?

Tote Taube im Schlafzimmer

Die realen Umstände der romantischen Vorstellung machen das schwer. Ina kommt an und findet eine tote Taube im Schlafzimmer, für sie Vorbote eines Unglücks: „Es lebt etwas von dieser Taube in unserem Zimmer. Sie hat in diesem Zimmer Todesangst gehabt, und das ist ein derart starkes Gefühl, dass etwas davon zurückbleibt.“ Dennoch bleiben Hans und Ina anfangs zuversichtlich: Die Möglichkeit, fernab vom gesellschaftlichen Leben neu beginnen zu können, sehen beide als Chance.

Bis hier könnte dem Roman eine gewisse Altbackenheit unterstellt werden, die Sprache ist teilweise ein wenig altmodisch und behäbig, wenn auch stilsicher. Auch die Handlung wirkt zunächst konstruiert und zu gefällig. Doch bald gelingt es Martin Mosebach, dass all das nicht mehr als störend empfunden wird. Ein gewisser Zauber entspinnt sich, das Licht des Mondes und die Hitze der Tage scheinen dafür zu sorgen, dass die Figuren selbst nicht mehr genau wissen, was sie tun.

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Copyright © Laura Lichtblau – Mar 15, 2008

Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen. [Copyright (c) Carl Hanser Verlag]
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