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Laura Lichtblau

Putten und Kosmetik

Ulla Hahn veröffentlicht ihren ersten Erzählband „Liebesarten“


Die Liebe könnte so schön sein. Zumindest für die Protagonisten in Ulla Hahns Erzählband „Liebesarten“. Schließlich sind sie umgeben von „Krokussen, Tulpen, Hyazinthen“, im richtigen Moment fliegen Gedichte herbei, alles ist gehüllt in märchenhafte Atmosphäre. Wäre da nicht diese eine Sache: dass es mit der Liebe immer ein schlechtes Ende nehmen muss. Zum Beispiel, wenn einer der Betroffenen verheiratet ist und der andere nicht, was immerhin in vier der dreizehn Erzählungen der Fall ist.

Eichendorff soweit das Auge reicht

In diesen Texten geht es denn auch dramatisch zu: „In den Dünen“ stürzt sich der untreue Ehemann, den Schal seiner Frau um den Hals gewickelt, an der selben Stelle von den Klippen, an der wenige Tage zuvor deren Leiche gefunden wurde. Ehefrau Rosa wiederum hat in „Rote Schuhe“ Sex mit einem Halbfremden im Turmzimmer einer verfallenen Burg zwischen Unmengen von Kerzenleuchtern und Polstern, auf die „verblichene Rosensträuße“ gestickt sind.

Doch nicht nur das Mobiliar trägt in Hahns Geschichten romantische Züge. Droht den Figuren Unheil, zieht ein Gewitter auf; erleben sie Leidenschaftliches, schweben „barocke Wölkchen“ im Hintergrund – die Naturmetaphorik Eichendorffs etc. lässt grüßen.

Auch sonst geizt Hahn nicht mit Anspielungen auf literarische Vorbilder. Rosa und Konrad hören Brahms, „irgendetwas für Streicher“, und schlafen angeregt von der Musik erst gedanklich und dann tatsächlich miteinander – der Weg zur Wagnerszene in Thomas Manns Tristan ist da nicht weit. Und auch Goethes Werther klingt an, als Rosa kurz zuvor Anette von Droste Hülshoff zitiert und Konrad wie selbstverständlich darauf einsteigt.

All das Ausschmücken und Zitieren dient der generellen Romantisierung und Überhöhung des Alltags. Dazu kommt der allgegenwärtige „Duft des späten Flieders“, der selbst hartgesottene Romantiker auf Dauer ermüdet. Aber der ganze Schmuck kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in vielen der Texte überholte Klischees lauern. Das Kokette und Rückständige der Frauenfiguren beispielsweise, deren entscheidende Waffe zur Eroberung des „Liebsten“ bei Hahn auch 2007 noch das Kochen ist, zeigt schon an, wie flach die Figuren bisweilen ausfallen – falls das Festmahl nicht hilft, wird eben die Kosmetikerin nach Hause bestellt.

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Copyright © Laura Lichtblau – Jul 31, 2007

Ulla Hahn: Liebesarten. [Copyright (c) 2006 DVA]
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