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Joëlle Jobin

„Wer heute liebt, liebt nie den anderen“

Short Stories von Maxim Biller über ein scheintotes Gefühl


„Damit das klar ist:“, schreibt Maxim Biller 2001, „Noch nie wurde die Liebe so geliebt wie heute, noch nie gab es so viele Single-Shows im Fernsehen, Liebeskomödien im Kino, Beziehungsromane in den Buchhandlungen.“ Auch jetzt, sechs Jahre später, scheint die Tendenz anzuhalten. Maxim Biller hat sich ihr verschrieben und seine eben erschienen Short Stories unter dem Titel „Liebe heute“ herausgegeben.

Maxim Biller, 1960 in Prag geboren und später nach Deutschland emigriert, schreibt Kolumnen für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und für die Zeitschrift „Cicero“. Es sind laute, klare Töne, die aus diesen Betrachtungen klingen. In seinen Prosawerken ist die Erzählstimme zurückhaltender. Biller thematisiert die Fremdheit an Orten wie Prag, Berlin oder Jerusalem, in denen sich die Protagonisten scheinbar widerstandslos bewegen, immer ein wenig verloren und immer nur auf Besuch. Die Vorläufigkeit überträgt sich auf die Beziehungen zwischen den Figuren: Das Zusammensein von Mann und Frau scheint immer eine Form zu sein, aus der sich bislang noch keiner hinausgetraut hat.

Eine Grundtendenz der Liebe unserer Zeit, die Maxim Biller damals bereits auf den Punkt gebracht hat, lautet „Wer heute liebt, liebt nie den anderen“. Das ließe sich mit großen, aufgebrachten Gesten abstreiten. Nein, so traurig ist die Welt nicht, könnte man rufen. Oder aber, man nimmt es gelassen hin.

Maxim Biller wählt Letzteres. So sind Erzählungen entstanden, für die diese These gelten mag, nie jedoch drängt sich das desillusionierende Moment der Feststellung auf. Ohne laute Urteile beschreibt er alltägliche Situationen zwischen Mann und Frau. Dialoge wie: „‚Das ist schade’, sagte er, ‚Nein, ich glaube nicht’, ‚Doch, ich glaube schon’“, rufen eine Melancholie des Ungesagten ab, die den Reiz der Erzählungen ausmacht. Die Liebe scheint eine überschaubare Strecke zu sein, an deren Enden jeweils einer auf den anderen wartet. Es kommt jedoch vor, dass sich einer zum Gehen wendet, ohne je auf die Mitte zugelaufen zu sein. Am Ende wird trotzdem von Liebe gesprochen.

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Copyright © Joëlle Jobin – Jul 31, 2007

Maxim Biller: Liebe heute. [Copyright (c) 2007 Verlag  Kiepenheuer & Witsch]
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