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Jan Fischer

Traurige Musik, für alle, für immer

Das Prinzip Radiohead


Disclaimer – Die Besprechung wird ausdrücklich nicht erwähnen, dass das Radiohead-Album „In Rainbows“ neue Vertriebswege geht und für eine beliebige oder eben keine Summe herunterladbar ist. Jedenfalls wird die Besprechung besagten Sachverhalt ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit web 2.0 .- Zeitgeistsymptomatik oder künstlerischer Qualität erwähnen. Ersteres würde bedeuten, auf einen hinreichend belegten Zug aufzuspringen. Letzteres würde bedeuten, dass es für den künstlerischen Gehalt von Musik eine Rolle spielt, ob etwas heruntergeladen wird. Von beidem nimmt der Rezensent ausdrücklich Abstand.

Es gibt zwei charakteristische Radiohead Momente. Der eine ist, wenn man sich fragt, was sie denn jetzt schon wieder gemacht haben. Der andere ist die Suche nach DEM Lied. Dem neuen Creep. Dem neuen No Surprises. Dem neuen Pyramid Song. Um das gleich vorwegzunehmen: In Rainbows hat da ein paar Kandidaten.

Der heißeste Tipp wäre vermutlich Videotape. Aber so leicht wie bei No Surprises haben sie es schon auf Hail to the thief, dem Vorgängeralbum, nicht gemacht. Das war zur Abwechslung elektronisch angehaucht, sogar, ja, da, im Hintergrund, ist das Jazz? Vielleicht. So ähnlich. Obwohl Hail to the thief trotzdem noch eher zugänglich war im Vergleich zu Amnesiac, oder, um Himmels Willen, Kid A.

Von gebitcrunched zu nölig

Ja, In Rainbows ist wieder freundlicher, der Zugang einfach und die bizarren Harmonien sind weitesgehend dem gewichen, was Radiohead schon immer für Harmonien gehalten haben. Es wird wieder mit Elektronika herumgespielt, aber man hält sich dezent im Hintergrund, verglichen mit der letzten Platte, auf der zeitweise der Eindruck entstand, Radiohead hätten nur ausprobiert, was man mit einem Computer alles anstellen kann. Es ist auch nicht mehr so aggressiv, ausgenommen vielleicht der Opener, 15 Steps, dessen Beat laut.de als „gebitcrunched“ bezeichnet. Doch schnell kommt die Stimme und der Stimme eine Gitarre zu Hilfe, und der Song entwickelt sich innerhalb von Sekunden von „gebitcrunched“ zu bekannt-radioheaddig-nölig. Nach einer weiteren, etwas schnelleren Rocknummer, Bodysnatchers, hat uns die Tristesse auch auf In Rainbows wieder.

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Copyright © Jan Fischer – Nov 11, 2007

In Rainbows [Copyright (c) 2007 Radiohead]
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März-Ausgabe