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Meike Blatzheim

Unter der Oberfläche

Wie Chris Kraus in seinem zweiten Kinofilm „Vier Minuten“ der Knastromantik knapp entgeht


Eine Vogelformation am Himmel, dann ein langsamer Zoom auf die Haftanstalt Luckenau in Brandenburg. Im nächsten Bild freischwebende, nackte Füße vor dem Metallgestell eines Bettes, wir ahnen es, bevor die Kamera den Beweis liefert: die Füße einer Toten. Ein Kameraschwenk, frei schwingend im Raum, zeigt den ganzen Körper, und mit einem Ruck erwacht die junge Frau im oberen Bett, Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung), verurteilte Mörderin. Gelassen zieht sie eine Schachtel aus der Tasche der Toten und zündet eine Zigarette an, bevor sie den Notrufknopf drückt.

Damit ist der Rahmen gespannt und der Kinobesucher schon in der ersten Filmminute eingestimmt auf Knastromantik á la Hollywood. Von den Vögeln über dem Gefängnis – welch aufgeladenes Bild! – bis zur offensichtlichen Gefühlskälte der Protagonistin: Wir wissen, wo wir uns befinden. Neben der rebellischen, wilden Jenny gibt es natürlich auch das Gegenstück: Die 80-jährige Klavierlehrerin Traude Krüger (Monica Bleibtreu), die Jenny unterrichtet und das große musikalische Talent hinter deren Sprödheit und Aggression entdeckt. Mit preußischer Disziplin leitet sie an zur „Demut vor der Musik“, bereitet Jenny gegen alle Widerstände auf einen großen Musikwettbewerb vor. Sie scheint erkannt zu haben, dass unter der harten Oberfläche noch mehr schlummert – etwas, das ausgegraben werden muss. Alt vs. jung, Kontrollzwang vs. Kontrollverlust, Bürgerlichkeit vs. Zukunftslosigkeit... Konflikte, die aus anderen Filmen längst bekannt sind. Jenny traumatisiert, sexuell missbraucht durch den ehrgeizigen Stiefvater, der seine Tochter zur Starmusikerin machen wollte ... Erst die grantige Klavierlehrerin kann zumindest ein wenig neuen Mut in der wütenden jungen Frau wecken.

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Copyright © Meike Blatzheim – Nov 11, 2007

Vier Minuten. [Copyright (c) 2007 Kordes & Kordes Film GmbH]
Vier Minuten. [Copyright (c) 2007 Kordes & Kordes Film GmbH]
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