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Meike Blatzheim

Die Abwesenheit der Romantik

In Katharina Hackers „Die Habenichtse“ präsentiert sich die Generation der Mittdreißiger als hoffnungs-, ziel- und teilnahmslos


„Wir wissen, dass es Ursache und Wirkung gibt, aber trotzdem scheint das für uns nicht zu gelten, nicht wirklich“, sagt eine der Nebenfiguren in Katharina Hackers 2006 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Die Habenichtse“. „Wie sollen wir dann sagen, ob sich etwas verändert hat oder nicht?“

Isabelle und Jakob sind ein Paar in den Dreißigern, ein hübsches, erfolgreiches, unglückliches Paar, und dieser eine Satz sagt schon sehr viel über sie. Gemeinsam ziehen sie von Berlin nach London, wo Jakob in einer renommierten Kanzlei den Platz eines Kollegen einnimmt, der am 11. September 2001 im World Trade Center gestorben ist. Gemeinsam besuchen sie teure Restaurants und Konzerte, Jakobs Kollege Alistair, von dem er sich insgeheim angezogen fühlt, ist immer dabei; gemeinsam spazieren sie durch den Regent’s Park und durch die Stadt – und sind doch nur bei sich.
Die globale Sicherheitslage bestimmt die Atmosphäre: Isabelle bunkert Kerzen und Wolldecken, als Großbritannien in den Irak einrückt, es gibt Gerüchte über Folterungen durch englische Soldaten und Alistair zuckt mit den Schultern: „Hauptsache, uns geht es gut.“

Die wahren Habenichtse, das müssen die Nachbarn sein; die verwahrloste Sara, von ihren Eltern eingesperrt und misshandelt, und Jim, der Drogendealer, von dem Isabelle gleichermaßen abgestoßen wie fasziniert ist. Diese haben nichts, kein Geld, keinen Job, keine Perspektive. Wie gut geht es da dem Paar aus Nummer 49, denkt Jim kurz nach deren Einzug und beobachtet den Mann, der die Straße entlanggeht, „einer von denen, die nach dem Einkaufen die Brieftasche so nachlässig einsteckten, dass es nicht einmal Spaß machte, sie zu stehlen“. Jakob, der immer länger in der Kanzlei bleibt, abends im Bett liegt und hofft, Isabelle möge noch nicht kommen; Isabelle, die im Wohnzimmer für ihre Grafikagentur arbeitet und durch die dünne Wand Saras Vater hört, der das Kind schlägt.

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Copyright © Meike Blatzheim – Mar 15, 2008

Katharina Hacker: Die Habenichtse. [Copyright (c) Suhrkamp Insel]
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März-Ausgabe