Ein Blick an den Rand der printmedialen Gesellschaft
Die andauernde Faszination der Romanheftchen und ihre romantische Tradition
Jede Woche stehen wir wie gebannt vor dem ausladenden Regal und betrachten die aktuellen Neuerscheinungen. Glänzend liegen sie in der Auslage und warten auf begierige Leser. Verziert sind die dünnen Hefte, die Silvia, Julia oder Christina heißen, mit bunten Fotos und auffälligen Collagen. Sie erwecken den Eindruck, die Welt sei ein gezuckerter Traum. Für einen Moment scheint die Flucht aus der Wirklichkeit zu gelingen.
Die schönen und heilen Welten gelten als trivial. Die Hefte fristen ein Dasein am Rande der printmedialen Gesellschaft. Der Leser, der etwas auf sich hält, greift abfällig am Regal vorbei und deckt sich stattdessen mit seriös recherchierten Berichten namhafter Magazine ein. Doch steht es tatsächlich so schlecht um die erwähnten Romanheftchen? Oder lassen sich hinter der augenscheinlichen Fassade aus Hass, Liebe, Tod, Ehe und Untreue, die die ewigen Themen der Groschenromane bilden, ernsthaftere Beweggründe entdecken?
Der ewige Wert des Zeitlosen
Auf den ersten Blick erscheinen die Geschichten wenig abwechslungsreich, die Charaktere austauschbar und die Handlung vorhersehbar. Zwischen den Heftchenfiguren steht die Zeit still. Egal ob es sich dabei um eine einsame Begegnung bei Mondschein oder um einen heimlich über den Tisch geworfenen Blick handelt, der das Verlangen der Liebenden widerspiegelt. Der Moment gewinnt Ewigkeitscharakter.
Die Leser zieht die Zeitlosigkeit in ihren Bann. So erscheint bereits seit 1953 die Reihe „Silvia“ wöchentlich im Bastei Verlag, hierzulande größter Lieferant neuen Lesestoffs. Und auch nach über 50 Jahren scheint sich die Anhängerschaft nicht mit den Protagonisten zu langweilen. Ganz im Gegenteil: Man lässt sich immer wieder aufs Neue entführen. "Beim Lesen eines Liebesromans hole ich mir meinen Traummann wenigstens für ein paar Stunden in mein Leben", so eine begeisterte Leserin an den Bastei Verlag. Worin bestehen die andauernde Faszination und die starke Anziehungskraft der Romanheftchen? Bei genauer Betrachtung fallen in der Struktur der Heftchenromane markante Widersprüche auf.
Copyright © Lisa Wetendorf – Mar 15, 2008








