The killer in me is the killer in you
Über die Romantik in der deutschen Gegenwartsdramatik
„Ich weiß nicht, ob Menschen überhaupt zu einer umfassenden, den anderen als Ganzes erfassenden Liebe fähig sind.“, sagte Sybille Berg einmal lakonisch. Die Verwandtschaft der Seelen als ein Selbstbetrug der Romantiker? Die Wünsche und Erwartungen an den anderen als unüberbrückbare Trennlinie zwischen dem Ich und dem Wir? Das Glück – eine unerreichbare Illusion? Gar eine Utopie?
Welche Rolle und welchen Stellenwert nimmt die Romantik heute auf dem Theater, in deutschen Gegenwartsstücken, ein, wer ist noch auf der Suche nach ihr und von wer hat sie längst aufgegeben?
Glück ist Liebe ist Romantik ist Tod
Die Bühnenadaption von Sybille Bergs Roman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ (bearbeitet von Stephan Bruckmeier und Sybille Berg) erzählt von Vera, Nora, Bettina. Von Ruth, Tom und Helge und Karl. Von Pit. Sie alle sind Jäger nach dem Glück, welches sich Liebe nennt.
Die Personen monologisieren in einem postmortalen Treffen über ihre Erfahrungen mit der Liebe, über eigene Liebesgeschichten an einem Ort des Jenseits. Sie alle sind längst gestorben, die meistens mittels Suizid. Der Liebe wegen. Natürlich. Angelangt an diesem Ort, an dem man nicht mehr weiß, in welche Richtung Zeit eigentlich läuft und wo es ohnehin unangenehm langweilig ist, wird über das eigene Leben sinniert. Man erzählt sich Geschichten von der Liebe, vom Unglücklichsein, vom Jungsein oder Älterwerden. Von großen Träumen, dem Mut zum Gefühl und den kläglichen Bruchlandungen. Von der Hoffnung auf das bessere Leben und dem Scheitern. Sybille Bergs Figuren haben rosarote Lebensillusionen gelebt, dafür Lebensentwürfe aufgegeben, Jobs gekündigt, sind an ferne Orte gereist, immer dem eigenen Glücksversprechen hinterher. Am Ende ist es die Sehnsucht, die jeden für sich in den Abgrund treibt.
Da ist zum Beispiel Nora, gemeinsames Kind von Vera und Helge, magersüchtig, von zu Hause ausgerissen, Gelegenheitsnutte. Angekommen ist Nora in Barcelona, wo sie mit ihrem etwas über zwanzigjährigen Freund Thomas im Keller gewohnt hat. Thomas ist Sado-Masochist.
Vera und Helge betrügen sich indes eifrig. Helge ist Barpianist in einem Hotel und lässt sich von den Frauen dafür bezahlen, mit ihm zu schlafen. Seine Frau schläft mit Pit, in den ihre Freundin Bettina unglücklich verliebt ist. In Barcelona lernt Nora Tom kennen. Sie landet nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus. Er wird wegen Diphtherie eingeliefert. Es funkt. Später trifft Tom seine alte Freundin Bettina wieder, schläft mit ihr, entdeckt aber in Nora seine wahre Liebe. Bevor er es ihr sagen kann, sterben er und Bettina bei einem Autounfall.
Copyright © Julia Schulz – Feb 15, 2008






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